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Papageien
Nicht Hansi oder Bubi, sondern ¿Klitz¿ tauft Christine Wunnicke als Kind ihren dünnen, ängstlichen Sittich. Jahrzehnte später lässt sie dem früh verstorbenen Stubenvogel Gerechtigkeit widerfahren. Aber heißt einen kennen alle kennen? Und kennen sie auch uns, oder woher rührt ihre Fähigkeit, die menschliche Sprache wie kein anderes Tier nachzuahmen, und das ohne Lippen und mit steinhartem Schnabel? Aus Urwäldern gepflückt, über die kolonialen Handelsrouten verschleppt, in goldene Käfige gesperrt und auf Piratenschultern drapiert, zum Tanzen und zum Sprechen gebracht, vergisst man glatt, dass diese bunten, klugen Vögel in Freiheit sehr gut ohne uns auskommen. In ihrem Portrait, das genauso schillernd, vorwitzig und gescheit ausfällt wie die verehrten Vertreter dieser Ordnung der Vögel, nähert sich Christine Wunnicke dem beredten Exoten. Sie zeichnet die Umstände nach, die unser Verhältnis zu ihm geprägt haben, erzählt von Papageienfantasien, die sich durch die Jahrhunderte in fantastischen Papageienbildern offenbaren - und von unserem unstillbaren Begehren danach, mit anderen Tieren sprechen zu können.
€ 22,00 -
Aufgeklärtes Staunen
Es genügt eine Bemerkung der Nachbarin, die erzählt, dass in ihren Kindertagen die Oder vor der Haustür noch voller Flussperlmuscheln war - und Björn Kerns Neugier ist geweckt. Unbedingt will er die selten gewordene Süßwasserbewohnerin auffinden, die einen wundersamen Lebenswandel pflegt: Während ihre Frühform für einige Monate in den Kiemen der Bachforelle lebt, kann die ausgewachsene Muschel weit über hundert Jahre alt werden und Perlen ausbilden - aber nur, wenn sie zuvor verletzt worden ist. Während seiner Suche entsteht für Björn Kern eine innere Verbundenheit mit der über 250 Millionen Jahre alten Art, die ihn immer wieder und immer weiter ins Wasser führt, und der Wunsch nach Ursprünglichkeit in einer übernutzten Welt: Wie staunt man aufgeklärt? Wie lässt sich das stete Verlangen nach Ausweitung kurieren? Und wie können wir unsere Lust am Leben anders stimulieren als durch den vernutzenden Konsum, der unsere sinnlichen Bedürfnisse doch niemals befriedigen kann? Aufgeklärtes Staunen handelt von dem augenöffnenden Geschenk eines Erlebens, das sich aus dem Nicht-Finden speist, einer körpernahen, sinnlichen Fülle, die eine lebendigere Form von Reichtum für uns alle bereithält.
€ 12,00 -
Leuchtturm der Hoffnung
Als Eva Meijer mit ihrem Hund auf die Insel Vlieland kommt, erkennt sie den Ferienort ihrer Kindheit kaum wieder: Es beginnt mit den Seepocken, die früher die Steine im Hafen überzogen und jetzt unauffindbar sind, und es setzt sich fort mit den Ferienhäusern, sie sich nun dicht an dicht reihen, um immer mehr Urlaubende auf der kleinen westfriesischen Insel zu beherbergen. Eine Woche will Eva hier verbringen, um einen Essay zu schreiben über die Erinnerung und ihre Reibungsfläche, das Vergängliche. Aber jeder Text hat sein Eigenleben, und so schleichen sich die drängenden Fragen unserer Gegenwart in die leisen Töne und beinahe zarten Bilder eines unerbittlich forschenden Schreibens: Wer sind wir, wenn wir in Gemeinschaft mit anderen leben? Und wie könnte ein verträglicher Umgang mit der Welt aussehen, die wir uns mit so vielen anderen Lebewesen teilen? In ihrem feinsinnigen Essay verbindet Eva Meijer Denken und Fühlen, Philosophie und Praxis, die Literatur, das Leben und die Wahrnehmung zu einem filigranen Gewebe. Und sie findet eine Sprache, in der das Unsagbare sagbar wird und die Dialog und Verbundenheit auch mit jenen ermöglicht, die unsere Sprache nicht sprechen und unser Leben doch teilen.
€ 10,00 -
Palmen
Meist wachsen sie dort, wo man gerade nicht ist, aber gern wäre. Manchmal allerdings stehen sie einem direkt vor der Nase - in Vorgärten, Fußgängerzonen, Treibhäusern oder Botanischen Gärten -, wo sie unweigerlich die Frage aufwerfen: Wie wurde dieses faszinierende Gewächs zur allgemeinen Sehnsuchtspflanze? Am Anfang, so viel ist sicher, war die Dattelpalme. Mit ihrer Kultivierung wurden Menschen sesshaft, mit ihren Palmwedeln deckten sie Dächer und huldigten Göttern. Seither beschatten Palmen sowohl Träume vom Süden als auch Utopien einer besseren Welt: Goethe erwählt eine italienische Fächerpalme zu seinem Fetisch, der Kokos-Guru August Engelhardt begründet in Deutsch-Neuguinea seine Palmenreligion, während Produkte wie Palmin den westlichen Wohlstand zu schmieren beginnen. Palmen waren und sind nicht nur Sehnsuchts-, sondern auch Kolonialpflanzen und bedrohen in monokulturellen Plantagen ausgerechnet jenen Traum einer paradiesischen Natur, für die sie mit bezaubernd-ikonischer Eleganz stehen. Jutta Person verfolgt das breit gefächerte Mensch-Palme-Verhältnis von Aussteigersehnsucht bis Zwergpalmenfetisch, von Tropentristesse bis Treibhauspflanze: Dieses Portrait feiert die Palme in all ihren sonnensatten bis schattigen Facetten.
€ 22,00 -
Marmor, Quecksilber, Nebel
€ 24,00 -
Zerbrochenes Feuer
Magma bildet den Glutkern unseres Planeten, und ohne die Eruptionen in Urzeiten gäbe es weder Kontinente noch Berge, weder Lebensräume noch Leben. Und doch sind Vulkane bedrohlich, nicht zuletzt, weil sich ihr Ausbruch selbst mit den modernsten Messgeräten weder räumlich noch zeitlich exakt vorhersagen lässt. So gehört der Vulkanismus zu jenen Naturphänomenen, deren unberechenbare geologische Gewalt immer neue Geschichten entfesselt hat. Darin geht es um menschliche Hybris, Furcht und Schönheit des Erhabenen und die allerletzten Fragen: Woher kommen wir, und wohin geht diese Welt? Lanzarote, Indonesien, Martinique oder Italien: Linn Penelope Rieger verfolgt die mannigfaltigen Spuren und Abgründe zahlreicher erzitternder Schauplätze von enormen, manchmal tödlichen, aber auch fruchtbaren Eruptionen in den bildreichen und wortgewaltigen Schilderungen der Literatur - mit pochendem Herzen, mit Lust an der Angst und mit unerschrockenen Fragen nach dem Ursprung von Leben und Tod.
€ 30,00 -
Protest
Sie war Teil der IAA-Blockade in München und der spektakulären Barberini-Aktion in Potsdam, ihr juristisches Wissen setzt sie dazu ein, die Rechtshilfe für andere Aktivistinnen und Aktivisten aufzubauen. Dann wird Mirjam Herrmann selbst verurteilt, und beschließt, ihre Ersatzfreiheitsstrafe zu nutzen, um weitere Erfahrungen zu sammeln und Wissen weitergeben zu können: Wie fühlt es sich an, für die eigenen politischen Überzeugungen in den Knast zu gehen? Welche Formen von Solidarität lassen sich in der Haft erlernen? Und gibt es überhaupt noch einen anderen Umgang mit den Bedrohungen der sich entfaltenden Klimakrise, als im Hier und Jetzt ein anderes, ein verbundenes, ein unbedingtes Leben zu leben? Als Angeklagte im Verfahren wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung ist Mirjam Herrmann Betroffene eines gefährlichen Präzedenzfalles in Zeiten, in denen Natur und Menschenrechte gleichermaßen bedroht sind. Warum sie trotzdem immer wieder die Entscheidung trifft, Widerstand zu leisten, erzählt sie in einem Essay, der die Frage nach Natur noch einmal ganz anders stellt: Sie ist unser aller Lebensraum, den es zu verteidigen, aber auch zu nähren gilt.
€ 12,00 -
Störche
Er bringt den Frühling, die Kinder, den Neuanfang. Wenn er dann im Laufe des Sommers auf seinen langen roten Beinen durch die frisch gemähten Wiesen stakst und abends in den Horsten noch einmal laut klappert, scheint nicht nur die natürliche Umwelt intakt, sondern auch die moralische Ordnung. Bereits die griechische Antike erfand ein Wort für den Mythos, dass Storchenkinder im Alter ihre Eltern versorgen. Und nicht nur wegen Märchen wie Kalif Storch kann der Vogel bis heute als monogam gelten, obwohl das empirisch längst widerlegt ist: Die Treue gilt dem Nistplatz, nicht dem Partnervogel. Während man über Jahrhunderte rätselte, wo der Storch wohl überwintert, lässt sich heute mit Peilsendern die Zugroute detailliert nachvollziehen. Und damit wird auch klar, dass sie sich durch den menschengemachten Klimawandel drastisch verändert: Statt nach Afrika zu fliegen, überwintern sie im europäischen Süden und ernähren sich von Resten, die sie auf Müllkippen finden. Ausgehend von eigenen Beobachtungen erzählt Johannes Zeilinger von einem Vogel, über den es trotz ¿Storchenbiss¿, ¿Storchenschere¿ oder dem ¿Storch des Mannes¿ so viel mehr zu berichten gibt, als unser Bild von ihm vermuten lässt.
€ 22,00 -
Senatore Cappelli
Eine Veröffentlichung des Bundesinstituts für Risikobewertung, die Dinkel als eventuell ungeeignet für Menschen mit Weizenallergie oder Glutenunverträglichkeiten einstuft; eine Betrachtung der Zotten genannten Fraktale im menschlichen Darm, die ähnlich wie die klimagestressten Alpen erodieren können und damit ebenjene Unverträglichkeiten hervorrufen; und schließlich die Geschichte der entlarvenden Namenswahl für moderne Weizenvarietäten, die so ganz und gar nicht mit den klingenden Namen alter italienischer Sorten mithalten können, die bis heute in perfekter Symbiose mit ihrer Umgebung wachsen. Aus diesen Zutaten komponiert Kenah Cusanit ihren Essay, der mit den Mitteln der poetischen Assoziation ins Zentrum der Debatten um Nahrungssouveränität, Hunger und Klimaschutz zielt. Wirtschaft, Welt und Wohlergehen erklärt in einem Weizenkorn: In Senatore Cappelli , ausgezeichnet mit dem Deutschen Preis für Nature Writing 2024, führt uns Kenah Cusanit auf eine so amüsante wie tiefgründige Reise mitten ins Herz der Gegenwart.
€ 6,00 -
Birken
Strahlend, fruchtbar, jugendlich: Die Pionierpflanze mit den zarten, klebrigen Blättern spendet den Menschen flirrenden Schatten und eine Reihe von festlichen Riten rund um das Gedeihen, nicht nur zu Pfingsten, wenn junge Maien in Dörfer getragen werden. Mit unermüdlich findiger Fortpflanzungskraft wächst die Birke an den unwahrscheinlichsten Standorten, an den Hängen des Ätna ebenso wie in den Torfmooren, und bereitet den Nährboden für andere Baumarten und eine Vielzahl von Fantasien, die Gedichte, Reime und Kinderlieder vor allem der slawischen und skandinavischen Kultur, aber auch die Worpsweder Künstlerkolonie geprägt haben. Während die Forstwirtschaft den Baum wenig schätzte und ihn als ordnungsstörend und wertlos ansah, gilt die Birke heute als Retterin des Waldes, die nicht nur Brände abwehrt, sondern auch Artenreichtum zurückbringt und den Verlusten des Klimawandels entgegentritt. Steffi Memmert-Lunau erschließt mit dem glänzenden Portrait ihres Lebensbaums die strotzende Kraft einer Pflanze, die selbst noch in größter Dunkelheit die Fähigkeit besitzt, Licht zu spenden.
€ 22,00 -
Himmelsstriche
'Dieses Buch leuchtet die Beziehung zwischen Landschaften und Leben mit großer gedanklicher Spannkraft aus. Was für eine sprachliche Schönheit in einer Welt, die vergessen hat, dass wir nicht gemacht, sondern geboren sind!' -Marica Bodroži¿ 'Bernhard Malkmus ist ein besonderer Schriftsteller: ein scharfsichtiger Beobachter der Natur, ein feinsinniger Umweltethiker und ein herausragender Sprachstilist.' -Robert Macfarlane Der englische Nordosten ist eine Landschaft, an der sich die systemische Veränderung der Biosphäre durch 250 Jahre technischer und sozialer Revolutionen ablesen lässt: Hier wurden bis vor kurzem die reichsten Kohlevorkommen Großbritanniens abgebaut, hier lagen um 1900 die größten Werften der Welt, hier verändern immer noch riesige Chemieagglomerate den Stoffwechsel der Erde. Umsäumt von der geheimnisvollen Nordseeküste im Osten und düsteren Heidegebirgen im Westen ist dieses englisch-schottische Grenzland, um das schon römische Truppen, irische Missionare, Wikinger, berüchtigte Grenzräuberbanden gekämpft haben, auch ein wichtiges Brutgebiet für zahlreiche Vogelarten. Die 'Himmelsstriche' der Seevögel - so bezeichnet Bernhard Malkmus sowohl die Gegenden, in denen diese Flugkünstler zuhause sind, als auch die Kalligrafien, die sie in die Lüfte zeichnen. Doch seit einiger Zeit wütet in diesem Vogelparadies das Grippevirus, das in der industriellen Tierhaltung hochgezüchtet und von Zugvögeln auf der ganzen Welt verbreitet wurde. Als Malkmus auf seinen Streifzügen immer mehr Kadaver findet, beginnt er, den Tieren ein literarisches Denkmal zu setzen. Himmelsstriche ist die reizvolle Verbindung von Reisetagebuch und Essay, in der Natur- und Kulturgeschichte verwoben werden: Ein Gesang auf das Meer, eine Hymne auf die Anmut und Widerstandskraft der Seevögel, eine Meditation über Heimat und Migration, eine Suche nach Worten der Trauer angesichts der Artenausrottung um uns. Finalist des W. G. Sebald-Literaturpreises.
€ 34,00 -
Dunkle Ökologie
Als Paul Kingsnorth das erste Mal die Schriften von Ted Kaczynski liest - dem sogenannten Unabomber, der zwischen 1978 und 1995 die USA mit einer Serie von Briefbombenattentaten in Atem hielt -, ist er schockiert: weil er sich in seiner Verzweiflung über die Zerstörung unserer Umwelt in dem Terroristen wiedererkennt. Bei ihm selbst hat die Trauer und die Wut darüber, wie das techno-industrielle System nicht nur natürliche, sondern auch kulturelle Weltzusammenhänge auslöscht, eine Depression ausgelöst. Doch anders als der ehemalige Mathematiker Kaczynski greift Kingsnorth nicht zum Sprengsatz, sondern zur Sense, die ihm in diesem Essay als Metapher für eine angemessene und verwurzelte Technologie dient. So entwickelt er tastend einen Kodex des Lebens in einer nachnatürlichen Welt, der es ihm erlaubt, der eigenen Verzweiflung mit Struktur zu begegnen. Dunkle Ökologie ist ein aufrührerisch radikaler, ein schmerzhaft ehrlicher Essay von einem, der die unwiderrufliche Entfremdung zwischen Mensch und Natur, die Kluft zwischen Vergangenheit und Gegenwart, die Spaltung zwischen Vernunft und Instinkt nicht mehr aufzulösen sucht.
€ 8,00